| -BRANDHEISS- |
|---|
| 08.02.2012 nächster Dienstabend |
Umweltschutzzug der Feuerwehr Sigmaringen
Die Aufgabe
Im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Pflichten, erarbeitet der BUND Konzepte zur Abwehr von Gefahrensituationen für die Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall. Die Zuständigkeiten sind im Zivilschutzgesetz der BRD geregelt.Da der BUND, mit Ausnahme des THW, über keine eigenen Zivilschutzeinheiten verfügt, greift er auf die Katastrophenschutzeinheiten der einzelnen Bundesländer zurück und unterstützt diese zweckmäßig. Der BUND ergänzt den Katastrophenschutz der Länder in den Bereichen Brandschutz, ABC-Schutz, Sanitätswesen und Betreuung. Die Ergänzung umfasst sowohl technisches Gerät als auch eine fachspezifische Ausbildung auf Standortebene sowie auf Ebene der jeweiligen Landesschulen. Die Feuerwehren sind aufgrund Ihrer Grundtätigkeiten für die Bereiche Brandschutz und ABC-Schutz prädestiniert. Für den Bereich Brandschutz stellt der BUND Bundesweit 636 LF 16-TS sowie 231 SW 2000-Tr zur Verfügung. Für den Bereich ABC-Schutz sind dies 344 ABC-Erkundungs-Kraftwagen sowie 371 Dekontaminations-Lastkraftwagen.
Die Verteilung der Fahrzeuge erfolgt vom Bundesministerium für Inneres über die Innenministerien der Länder zu den Regierungspräsidien und schließlich zu den Land- und Stadtkreisen. Dem Landkreis Sigmaringen sind gegenwärtig, im Bereich ABC-Schutz, ein Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug (DMF) sowie ein ABC-Erkundungskraftwagen (ABC-ErkKW) zugeteilt. Beide Fahrzeuge sind bei der Freiwilligen Feuerwehr Sigmaringen stationiert.
Dekontaminations-Mehrzweckfahrzeug (DMF)
Beim DMF handelt es sich um einen MAN Langhauber Baujahr 1979. Auf dem Fahrzeug sind entsprechende Anlagen und Geräte verlastet um einen Dekontaminationsplatz für Einsatzpersonal zu errichten, sowie über einen längeren Zeitraum zu betreiben. Kernaufgabe der Fahrzeugbesatzung ist es, Einsatz-personal, welches in Kontakt mit Gesundheits-schädlichen oder anderweitig gefährlichen Stoffen gekommen ist, zu reinigen. Ziel der Maßnahme ist es, die Gesundheitsgefährdung für die Einsatzkräfte zu minimieren, sowie eine Verschleppung des Stoffes zu verhindern. Um diesem Ziel gerecht zu werden wird, im Extremfall, eine vollständige Duschanlage errichtet.Ergänzend zum Personal der DEKON-Einheit, stellt die Freiwillige Feuerwehr Sigmaringen auch das Einsatzpersonal für den Aufgabenbereich der ABC-Erkundung. Die notwendigen Geräte und Einrichtungen befinden sich auf dem ABC-Erkundungs-Kraftwagen.
ABC-Erkundungskraftwagen (ABC-ErkKW)
Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen FIAT Ducato Kastenwagen Baujahr 2001.Auf diesem Fahrzeug sind Mess- und Probeentnahmegeräte verlastet, welche es der Fahrzeugbesatzung ermöglichen, radio-logische und chemische Stoffe nachzuweisen und/oder zu detektieren. Zudem können Proben genommen werden und die für die analytische Untersuchung notwendigen Parameter festgehalten werden.Im Einzelnen
dient der ABC-ErkKW dem Messen, Spüren und Melden radioaktiver und/oder chemischer, sowie dem Erkennen und Melden biologischer Kontamination. Ebenso dient er dem Aufsuchen von verstreuten radioaktiven Bruchstücken, der Kennzeichnung und der messtechnischen Überwachung kontaminierter Bereiche, sowie der Entnahme von Boden-, Wasser, und Luftproben.Messcontainer des ABC-ErkKW
Im ABC-ErkKW befinden sich – neben dem Messcontainer, der die radiologischen und chemischen Messsysteme aufnimmt – u.a., ein Ausstattungssatz zur Entnahme von festen, flüssigen oder gasförmigen Proben, eine Wettermess- und Orientierungsausstattung, eine Markierungsausstattung, umgebungsluft-abhängige und unabhängige Atemschutz-ausstattung und entsprechende ABC-Schutzausrüstung für das BedienpersonalMesstechnik im Einzelnen:
Das radiologische Messsystem besteht aus zwei Gamma-Messeinrichtungen, einer NBR (Natural-Background-Rejection) Sonde und einer Proportionalzählrohrsonde. Das Messprinzip der Sonde sowie ein spezieller Auswertelogarithmus erlaubt es, Gammastrahlung nach natürlicher und künstlicher Herkunft zu unterscheiden. Beide Teilsysteme arbeiten über eine serielle Schnittstelle mit dem zentralen Fahrzeugrechner. Das System ermöglicht die Erfassung, Speicherung, Visualisierung und Ausgabe der radiologischen Messdaten einschließlich der über DGPS gesammelten Ortungsdaten.Bildschirmausdruck des radiologischen Systems
Das chemische Messsystem besteht aus zwei eigenständigen Messgeräten, welche ihre Daten, ebenfalls über eine serielle Schnittstelle, an den zentralen Fahrzeugrechner übertragen.Im Einzelnen
besteht das System aus einem Ionenmobilitätsspektrometer RAID-1 und einem Photoionisationsdetektor (PID) Das Messprinzip des RAID-1 beruht auf der unter-schiedlichen Mobilität von Ionen verschiedener Größe in einem elektrischen Feld. Diese unterschiedliche Beweglichkeit wird messtechnisch erfasst und innerhalb gewisser Grenzen zur Charakterisierung und damit Identifizierung verwendet. Das Gerät wurde ursprünglich für militärische Anwendungen konzipiert. Daher ist es originär für den Nachweis von und die Warnung vor chemischen Kampfstoffen geeignet. Das RAID-1 des Einsatzfahrzeuges besitzt jedoch neben dem Kampfstoffmodus noch die Betriebsart ITOX zur Messung von Industriechemikalien. Bei der Messung mit dem PID wird die zu untersuchende Umgebungsluft durch eine Messkammer gesaugt und dort dem Licht einer hochenergetischen UV-Lampe ausgesetzt. Befinden sich Substanzen in der Luft, die durch das ultraviolette Licht der Lampe ionisierbar sind, entsteht im elektrischen Feld der Messkammer ein Stromfluss, der auf dem Display des Gerätes als Konzentration angezeigt wird. Der PID kann in folgenden Bereichen eingesetzt werden:Zur Bedienung der Messtechnik ist ein 1-wöchiger Sonderlehrgang auf der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal notwendig. Die Einsatzkräfte werden auf Standortebene in die Thematik des ABC-Dienstes eingeführt, hierzu werden 14-tägig fachspezifische Dienst- und Probeabende abgehalten.
Bei der Übergabe des ABC-ErkKW im September 2002, betonte Landrat Dirk Gaerte die dringende Notwendigkeit des Ausbaus und der Neuausrichtung des Katastrophenschutzes. Mit dem neuen Messfahrzeug hat der BUND einen entscheidenden Schritt zum Ausbau des Zivilschutzes geleistet. Mit neuen Perspektiven versehen, können die Feuerwehren ihren Dienst an der Allgemeinheit auf den Bereich des ABC-Schutzes ausweiten und den Gesamtschutz Bevölkerung optimieren.
Stefan Strobel - Zugführer
Freiwillige Feuerwehr Sigmaringen - 2008
